Lieber Herr Wahl,
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(15.01.2012) Hotel Bracksiek -Zur Geschichte
Kaum ein Vorgang hat bei den Schledehausenern jemals solch eine Beachtung erfahren, wie die Schließung und der nachfolgende Abriss des Hotels Bracksiek. Der Hauptgrund dafür liegt sicher in den unzähligen Familien-, Vereins- und Dorfgemeinschaftsfesten, die hier im Laufe von fast 130 Jahren gefeiert wurden.
Die Erinnerungen aus über fünf Generationen haben sich emotional so verdichtet, dass es zunächst am allgemeinen Verständnis mangelte, als es hieß: „Das Hotel wird geschlossen!“
Schließlich drohte der Topf überzukochen, als deutlich wurde, dass gar der Abriss unausweichlich war.
Gegründet wurde die Gastwirtschaft von Louis Braksiek. Der Wortlaut der Konzession ist überliefert:
"Osnabrück den 8.6.1872
Dem L. Bracksiek zu Schledehausen wird hiermit die Erlaubnis zum Betriebe der Gastwirtschaft in seiner Wohnung zu Schledehausen erteilt. Dem Gemeindevorsteher Herrn Auktionator Burke zu Schledehausen geht Abschrift dieses zur Kenntnisnahme und Nach-achtung, namentlich in steuerlicher Beziehung zu.
Der Kreishauptmann pp. Vezin"
Den Baugrund hat Louis Braksiek 1871 vom Gut Schelenburg erworben. Die Besitzer der Schelenburg verkauften in den 60er- und 70er Jahren des 19. Jahrhunderts riesige Flächen auf dem Gebiet der heutigen Dorfgemeinde Schle-dehausen.
Wir haben uns das Haus Braksiek zunächst als typische Dorfgastwirtschaft mit angeschlossener Landwirtschaft vorzustellen. Das Geschäft florierte so, dass 1886 weiterer Grund angekauft und ein Saal angebaut wurde, dessen Fachwerkgiebel bis zum Schluss integrierter Bestandteil der Eingangshalle war.
1900 war das große Sanatorium auf dem Berge eröffnet worden, damit begann ein reger Fremdenverkehr im Dorfe. 1911 erbte Sohn Carl das Unternehmen. Das war schon die hohe Zeit des Kurbetriebs in Schledehausen. Die dritte Generation übernahm die Gaststätte, Ludwig. Vielen Schledehausenern noch wohl bekannt. 1927 und 1928 ließ er das Anwesen zu einem großen Hotel um-bauen, das nun in der Lage war, den Ansprüchen des Kurbetriebs gerecht zu werden. Der verliehene Titel Kurhotel prangte bis zum Schluss über dem Eingang.
Der jüngste Sohn Helmut übernahm schließlich in 4. Generation den elterlichen Betrieb, der als reiner Familienbetrieb weiter geführt wurde. Frau Marianne, der ältere Bruder Günter, Gerda, die Schwester und Vater Ludwig unterstützten ihn nach Kräften. Mitte der 80er Jahre wurde das gesamte Hotel großzügig umgebaut und renoviert.
Der Nachfolger, Sohn Heiner, hatte in nunmehr 5. Generation eigentlich ideale Startbedingungen. Aber nach weni-gen Jahren war das Hotel wirtschaftlich am Ende. Wie soll man es erklären? „Es war nicht so geplant, es ist einfach so gekommen“, weiß ein alter Schledehauser. Das Hotel wurde im Jahre 2006 abgerissen. Heute steht dort ein Seniorenwohnheim.
Es ist hier nicht der Raum für die vollständige Dokumentation des Traditions-hotels. Daher nur einige Werbeanzeigen als Wegmarken:
Gerda Michaelis geb. Bracksiek erinnert sich an ein wichtiges bevölkerungspolitisches Element:
„In den 40er bis 60er Jahren hatten wir immer sehr viel Personal. Vor allem junge Mädchen, die hier im Hotel lernten, als Zimmermädchen beschäftigt waren oder ihr so genanntes Pflichtjahr absolvierten. Die hatten dann natürlich zum Teil recht engen Kontakt zu den stattlichen Schledehausener Dorfjungen, was in sehr vielen Fällen dazu führte, dass sie hier eingebürgert wurden, d. h. sie heirateten hier und sind bis auf den heutigen Tag noch hier im Dorfe ansässig.“
Eine kulturhistorisch hochinteressante Besonderheit des Hotels war zweifelsohne die hauseigene Räucherei. Sie befand sich in einem zunächst freistehen-den Gebäude und stammte noch aus der Gründungszeit des Hotels. Schon Louis Bracksieck betrieb neben dem Gasthof eine eigene Landwirtschaft und so errichtete er zum Räuchern der im Hause hergestellten Würste und Schinken das dreigeschossige Gebäude. Die Bracksiecksche Räucherei war vermutlich eine der größten im ganzen Landkreis. Schon bald war der Gasthof für seinen ausgezeichneten Schinken in weitem Umkreis bekannt.
31. August 1953. Ein wichtiger Abschnitt: Die BV-Aral-Organisation hält den ersten Lehrgang im Rahmen der Mitarbeiterfortbildung ab. Hochkarätige Wissenschaftler und Wirtschaftsfachleute gaben sich seitdem bei Bracksiek die Klinke in die Hand. Oktober 1957. Eine bundesweit beachtete Veranstaltungsreihe beginnt im Hotel unter der Leitung von Prof. Dr. Eschenburg aus Tübingen. Thema: „Die Problematik der Führungsverantwortung in der modernen pluralistischen Ge-sellschaft“.
Es entsteht das Buch: „Schledehausener Gespräche.“
Zum Schluss ein Auszug aus dem Buch" erlebte Geschichte - 100 Jahre Aral", aus dem Jahre 1998:
„Schledehausen, dieser kleine Ort in der Nähe von Osnabrück, hat sicherlich insgesamt keinen sonderlich hohen Bekanntheitsgrad. Für uns "Alt-Araler" verbindet sich hiermit jedoch eine Fülle von Eindrücken und Erinnerungen. Wir trafen uns am Vorabend der am 25.4.1957 beginnenden Veranstaltung im Hotel Bracksiek zum gemeinsamen Abendessen und bekamen sogleich einen Eindruck von der deftigen Bracksiekschen Küche. 11 Wochen später zum Seminarende sollte sie einigen von uns Gewichtszunahmen von mehr als 20 Pfund beschert haben.
Wir, das waren 18 Männer im Alter zwischen 20 und 46 Jahren. Junge Damen gehörten leider nicht dazu. Diesbezüglich gab es in Schledehausen ohnehin einen Notstand, und wie die wenigen Schönheiten der Umgebung von ihren männlichen Dorfmitbewohnern beschützt wurden, davon sollten wir bereits nach wenigen Tagen anlässlich des Maiabendfestes einen handfesten Eindruck bekommen.
Mit heutigen Maßstäben gemessen, war die gesamte räumliche Ausstattung des Seminarhotels eher schlicht, aber durchaus zweckmäßig, der Zeit angemessen. Wir waren in Zwei- oder Drei-Bett-Zimmern untergebracht, Toilette auf dem Flur, Gemeinschaftsdusche im Seminartrakt.
Und dann war da noch die Gaststube, die uns manche feucht-fröhliche Stunde bescheren sollte. [...]
Unvergessen sind die Reiterbälle in den umliegenden Dörfern, die wir mit geliehenen Fahrrädern besuchten, und auch die Wochenendfeste in Bracksieks Saal, zu denen die Feuerwehrkapelle bis 6:00 Uhr morgens spielte. Da man dabei ohnehin nicht schlafen konnte, feierte man einfach mit. Aral-Seminare in Schledehausen gab es noch bis 1964. Neben den Schledehausener Gesprächen für Führungskräfte gab es auch eine Reihe von Sonderlehrgängen und Spezial Kursen.
Keines der zahlreichen Seminarhotels, die Aral nach 1964 in anderen Orten unter Vertrag nahm, erreichte den Stellenwert von Schledehausen. Das lag sicherlich an der Besonderheit der damaligen Zeit, aber auch an dem ihr angemessenen Flair des Hauses."
Dem ist nichts hinzuzufügen.
Dieser Beitrag ist ein kleiner Ausschnitt aus dem Buch "Handel, Handwerk und Gewerbe im alten Kirchspiel Schledehausen". P.-W. Wahl, Heimat- und Verkehrsverein Schledehausen, 2009
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Hier geht es zum Ursprungsartikel Das unbekannte Foto: Hotel Bracksiek
Der Kommentar wurde 1 mal überarbeitet. Zuletzt 17.01.12, 11:21 Uhr.
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Dieser Bericht weckt Erinnerungen. Meine Lehre bei BV Aral begann zwar erst nach der Ära Bracksiek und mir wurde das Aral-Blut nicht mehr in Schledehausen eingeimpft, aber die Erzählungen der älteren Kollegen waren legendär. Etwas neidisch war ich schon und ich dachte damal häufig: "Da hast du was verpasst." Ich erinnere mich, dass ein hightlight, der damals über Wochen kasernierten Seminarteilnehmer, nächtliche Besuche in einer Badeanstalt waren. Die Erinnerung an die Schledehausener Zeit wurden auch nach 1964 wachgehalten, indem immer wenn bei Aral Osnabrück etwas gefeiert werden sollte ein Termin bei Bracksieks gebucht wurde. Unser Kollege Günter Bracksiek hat das dann organisiert. Nur Seminare durften nicht mehr abgehalten werden. Das war eine Anweisung der Zentrale. (warum wohl?) Herzliche Grüße Werner Kallmeyer
Der Kommentar wurde 1 mal überarbeitet. Zuletzt 20.01.12, 19:36 Uhr.

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