Osnabrück
 

Sport > Fitness & Wellness 

Der Wesermarathon – jährlich wiederkehrende Kultveranstaltung für Kanuten und Ruderer

Das Ziel Hameln ist erreicht

(15.05.2011)  Schon oft habe ich am Wesermarathon teilgenommen, mehrfach die Bronzestrecke (52 km) von Hann.-Münden nach Beverungen und die Silberroute (80 km) von Hann.-Münden nach Holzminden erfolgreich bewältigt, nun möchte ich endlich die Königstour, die Golddistanz (135 km) von Hann.-Münden nach Hameln, realisieren. Schließlich will ich endlich mitreden im Kreis der „Goldenen“.
Na ja, lt. Wetterbericht sollen die Bedingungen nicht schlecht sein, Wind aus Ost/Nordost und angenehme Temperaturen. Wenn nicht jetzt, wann dann. Die Anmeldung per Internet ist einfach und schnell erledigt. Ganz allein werde ich sicher auch nicht sein, zumindest nicht bis Holzminden, die Teilnehmerzahl insgesamt liegt bei ca. 1600 Teilnehmern. Außerdem wird mein Sportkamerad Martin sich ebenfalls an der Goldstrecke versuchen.

Wesermarathon 2011 - 135 km auf der Weser
Wesermarathon 2011 - 135 km auf der Weser
Wesermarathon 2011 - 135 km auf der Weser

Wesermarathon 2011 - 135 km auf der... (10)


Ein Schlafplatz ist schnell organisiert, dazu bietet sich die Jugendherberge in Hannoversch-Münden geradezu an, liegt sie doch direkt an der Weser und verfügt über einen eigenen Anleger. Zwar ist sie eigentlich schon belegt, das ist beim Wesermarathon normal, aber der Herbergsvater hat ein Erbarmen mit mir und stellt einfach noch ein Bett in einen mit 5 Schlafplätzen belegten Raum dazu.
In Hannoversch-Münden angekommen, erfolgt beim Anblick der Weser die Ernüchterung. Der Wasserstand ist erbärmlich, will sagen, recht niedrig. Da habe ich schon bessere Wasserhöhen erlebt. Aber man hätte es wissen sollen, die letzten Wochen waren regentechnisch eher spärlich. Der erste Enthusiasmus ist verflogen und Zweifel kommen auf, ob es richtig ist, was ich mir antun will. Aber jetzt ist es zu spät, im Freundes- und Bekanntenkreis wurde die Werbetrommel gerührt, nun heißt es, Mut und Ehrgeiz zeigen. Wer will schon als „Weichei“ da stehen. An mein „Sitzfleisch“ verschwende ich erst mal keinen Gedanken. Nur nicht alles zu pessimistisch sehen.
Am Sonntagmorgen ist es soweit. Nach einem opulenten Frühstück zur Stärkung bin ich um 5.20 Uhr auf dem Wasser. Offizieller Start ist zwar erst um 6.00 Uhr, aber bei dem Gewühl aus Kajaks und Ruderbooten ist es sinnvoll, bei der langen Distanz einige Minuten eher auf der Weser unterwegs zu sein. Martin ist auch schon gestartet, er war ca. 5 Minuten vor mir auf dem Wasser. Mal sehen, ob ich ihn noch wiedersehe. Die Atmosphäre auf dem Fluss an diesem frühen Morgen hat was, Nebelschwaden erheben sich langsam, die Kanuten tauchen stimmungsvoll darin ein. Nicht schlecht, mein Wohlgefühl steigt. Aber ist es nach 135 km genauso? Nach kurzer Zeit treffe ich Heinz aus Beverungen. Er will ebenfalls nach Hameln. Wir paddeln einige Kilometer nebeneinander her und kommen schnell ins Gespräch. Dadurch wird es uns beiden nicht langweilig und die Zeit vergeht schneller. Kurz vor Bad Karlshafen treffe ich Martin wieder. Gemeinsam werden wir nun bis Hameln die Weser bewältigen. Wir paddeln auf gleichem Niveau und motivieren uns gegenseitig. Nach 68 Kilometern legen wir in Höxter beim Kanu-Club die erste Pause ein. Am Steg muss ich erst mal ein paar Gehübungen absolvieren, um meine Beweglichkeit wieder zu erlangen. Etwas mehr als sechs Stunden im Kajak hinterlassen die ersten Spuren. Sitzprobleme haben sich wider Erwarten aber noch nicht eingestellt. Ich bin beruhigt.
Und weiter geht es. Bei km 80 in Holzminden herrscht reges Treiben. Die ersten Silberfahrer sind eingetroffen und beenden hier ihre Fahrt. Zufrieden mit der schon erbrachten Leistung paddle ich vorbei und denke, endlich, heute wird es mir gelingen. Beim Blick auf Martin könnte man meinen, er denkt ähnlich.
Die Weser fließt überwiegend Richtung Nordwest, aber leider nicht immer. Kurz hinter Polle bei km 94 erwischt es uns zum ersten Mal. Auf einer Länge von fünf Kilometern müssen wir die ersten Kraftreserven mobilisieren, ehe wir es kurz vor Grave wieder ruhiger angehen lassen können. Mein innerer Schweinehund fragt auch schon, ob das sein musste. Na ja, aber es ist ja überstanden. Habe ich gedacht!! Das war nämlich nur die Ouvertüre, bei Kilometer 102 geht es richtig zur „Sache“. Auf einer Länge von etwa drei Kilometern bis Pegesdorf entwickelt der Gegenwind sich zum großen „Blasfinale“. Ausruhen findet nicht statt. Wer aufhört zu paddeln hat verloren und wird zurück getrieben. Frust kommt auf. Das hat mir gerade noch gefehlt. Wird meine Kraft ausreichen? Immerhin habe ich bereits zehn Stunden im Boot gesessen. Die Zeit scheint still zu stehen, jedenfalls kommt es mir so vor. Aber auch diese Situation überstehe ich ebenso wie Martin, der genauso erfolgreich gegen den imaginären Feind „Gegenwind“ ankämpft. In Bodenwerder bei km 111 folgt endlich unsere hochverdiente zweite Pause.
Nun ist das schlimmste überstanden. Noch 24 Kilometer bis Hameln. Ein Klacks, wenn ich an die bereits erfolgreich herunter gepaddelten 111 Kilometer denke. Allmählich rückt unser Ziel näher. Noch 5 Kilometer. Die nehmen irgendwie kein Ende. Das liegt natürlich am Rückstau der Wehranlage in Hameln und nicht, wie man vielleicht vermuten könnte, an den nachlassenden Kräften. Endlich um 19.15 Uhr ist das Ziel, der Kanu-Club in Hameln in Sicht. Ich bin erleichtert. Gemeinsam haben Martin und ich zum ersten Mal die Golddistanz bewältigt. War ja doch nicht so schlimm wie erwartet. Auch die Muskulatur in den Armen zeigt noch keine Ausfallerscheinungen. Zwar sind wir nicht die ersten im Ziel, aber auch nicht die letzten, also gutes Mittelfeld. Ca. 300 Teilnehmer haben Hameln erreicht, wir sind zwei davon. Wir sind stolz auf unsere Leistung und beglückwünschen uns gegenseitig.