Osnabrück
 

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Remarque – Weltenbürger, sensibler Schöngeist oder Lebemann?

Blick in den Ausstellungsraum

(25.10.2010)  Wer auf diese Fragen eine Antwort möchte, der verbringt eine Stunde mit Claudia Glunz und folgt ihr bei einer ausführlichen Führung durch das Remarque – Friedenszentrum in Osnabrück.


In der Dauerausstellung im Remarquezentrum am Marktplatz in Osnabrück kann der Besucher einen Blick auf die Wurzeln des gebürtigen Osnabrücker Schriftstellers werfen und seinen Werdegang verfolgen.

Das Archiv des Remarque Friedenszentrum verfügt über die weltweit größte Sammlung an Materialien über Erich Maria Remarque und präsentiert die wichtigsten Stationen seines Lebens in einer Dauerausstellung. Schwerpunkt dabei ist immer der Blick auf den Menschen hinter dem Schriftsteller, ohne dass natürlich eine Würdigung seiner Werke dabei zu kurz kommt.

Besonders die Aufbereitung der Stationen aus Remarques frühen Jahren liefert uns Verständnis darüber, wie tief er in Osnabrück verwurzelt war und wie gut er die Stadt kannte.

Erich Maria Remarque
Erich Maria Remarque
Erich Maria Remarque

Erich Maria Remarque (4)



Hinein geboren im Jahre 1898 in eine Buchbinderfamilie als fünftes Kind gehörte seine Familie den sozial schwachen Schichten an. Die Familie zog häufig um und so lernte Remarque Osnabrück und seine Menschen auf sehr intime Weise kennen und verwandte diese Erkenntnisse der Stadt Osnabrück und seiner Einwohner auch später immer wieder in seinen Werken.

Wer sich mit Remarques Werken beschäftigt hat, aber nicht so sehr mit seiner Biografie, muss den Eindruck gewinnen, als blicke er auf lange Jahre Fronterfahrung im 1. Weltkrieg zurück, doch das Gegenteil ist der Fall. 1917 eingezogen, verbrachte er „nur“ vier Wochen im Kriegsdienst an der Westfront (Front des 1. Weltkrieges in Frankreich und Belgien), bevor er verwundet wurde.

Das Erleben der Kriegshandlungen hat ihn jedoch mit so großer Nachhaltigkeit geprägt, dass er in ständigem Kontakt mit Angehörigen der Wehrmacht blieb und sich aus erster Hand von den Geschehnissen des Krieges berichten ließ, nicht zuletzt auch durch die Erzählungen verwunderter Soldaten, die er im Lazarett kennen lernte. Dieses gesammelte Wissen fand Eingang in viele seiner Werke, nicht zuletzt in „Im Westen nichts Neues“.

Eine seiner Stationen nach dem Krieg war die Arbeit als Redakteur für die Firma Continental (1922) in Hannover, wo er für die Werkszeitung des Reifenherstellers Werbetexte schrieb und auch die Texte für den Werkscomic lieferte. Kopien davon sind im Remarquezentrum ausgestellt.

1933 verließ er Deutschland offiziell, wobei er seinen Wohnsitz bereits seit 1932 in der Schweiz hatte. Seine Bücher wurden 1933 verbrannt. Außerdem wurde seitens der NSDAP das Gerücht genährt, er sei Jude und sein wirklicher Name sei Kramer und er habe gar nicht am 1. Weltkrieg teilgenommen. 1938 wurde ihm die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt.

Remarque, durch seine Bücher inzwischen ein wohlhabender Mann geworden, lebte ab 1939 in den USA, wo er andere Emigranten wie Lion Feuchtwanger oder Bertolt Brecht traf, aber auch Marlene Dietrich, mit der ihn eine mehrjährige Beziehung verband.

Remarque war dreimal verheiratet, zweimal davon mit derselben Frau. 1930 wurde seine erste Ehe mit der Tänzerin Jutta Zambano geschieden, die er 1938 erneut heiratete, um sie über den Umweg über Panama vor dem Naziregime in Sicherheit bringen zu können. Die erneute Scheidung fand 1957 statt. In dritter Ehe war er mit Paulette Goddard verheiratet (frühere Ehefrau von Charlie Chaplin).

Von all diesen Lebensstationen und vielen weiteren präsentiert das Remarquezentrum Dokumente, die das wechselvolle Leben des Schriftstellers belegen.

Der Panamapass, mit der er seiner ersten und zweiten Frau das Leben rettete, kann dort eingesehen werden, genauso wie ein Faksimile seines handgeschriebenen Manuskriptes von „Im Westen nichts Neues“.

In klarer Form zeichnet das Remarquezentrum den Lebensweg eines großen Sohnes unserer Stadt nach und gedenkt dabei auch Remarques Schwester (Elfriede Scholz), die aufgrund einer kritischen Regimeäußerung 1943 durch die Guillotine hingerichtet wurde.

Das Gästebuch legt beredtes Zeugnis darüber ab, wie Remarque auch heute noch gelesen wird und man auch außerhalb von Deutschland seinen Büchern folgt. In Osteuropa werden seine Werke auch heute noch gelesen, genauso wie in Russland oder Japan. Viele der Besucher, die sich in das Gästebuch eingetragen haben, kommen eigens wegen Remarque nach Deutschland, um hier in Osnabrück sein Leben im Remarquezentrum nach zu vollziehen und den Mann besser zu verstehen, dessen Romane sie persönlich beeindruckt haben.

Über die reine Ausstellung hinaus ist das Remarquezentrum in vielfacher Weise mit Besuchergruppen tätig, gerade auch mit Schülern. Es gibt Workshops zum Thema Medienkompetenz, wo anhand der Verfilmungen von Remarques Werken diese Thematik aufbereitet wird uvm. Hier werden Studenten betreut, die im Archiv ihren Recherchen nachgehen oder im Auftrag des Zentrums weiter über das Leben Remarques forschen.

Thomas Schneider (Leiter des Zentrums) und Claudia Glunz haben als Herausgeber mehrfach gemeinsam zum Thema Remarque publiziert. Ihr beruflicher Schwerpunkt, die Remarqueforschung, versetzt den Besucher in eine komfortable Lage, denn unabhängig von der fachkundigen Führung durch die Ausstellung kann jede Frage zum Leben und Werk Remarques beantwortet werden.
Das Remarquezentrum präsentiert eine Dauerausstellung, die im Foyer durch wechselnde Themen bereichert wird.

Fotos: ©Manuela Kohl | Mit freundlicher Genehmigung des Remarquezentrum