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Die Himmelsscheibe von Nebra - Wanderausstellung in Kalkriese

Sternenhaufen der Plejaden

(01.09.2010)  Welchen Stellenwert nimmt die Himmelsscheibe von Nebra im Kontext der Archäologischen Funde ein und für was wurde sie ursprünglich gebraucht?

Die Himmelsscheibe von Nebra wurde 1999 gefunden, und zwar von Raubgräbern auf dem Mittelberg in dem kleinen Ort Nebra (Sachsen - Anhalt). Als Raubgräber bezeichnet man diejenigen Menschen, die in ihrer Freizeit und aus kommerzieller Movitation nach Artefakten und Relikten suchen. Oftmals sind sie mit einem Metalldetektor unterwegs, um in Gebieten, über die historische Aufzeichnungen existieren, nach Metallfunden zu suchen und diese dann zu verkaufen.

Wer bei dieser Suche in Deutschland als Raubgräber fündig wird, hat ein Problem wenn er die Absicht hat, diesen Fund kommerziell zu verwerten. Die Rechtslage ist ein bißchen unsicher, aber das BGB (Bürgerliche Gesetzbuch) regelt, dass archäologische Funde normalerweise zur Hälfte dem Finder und zur anderen Hälfte dem Grundstückseigentümer gehören.

Eine Ausnahme ist u. a. die Himmelsscheibe von Nebra, denn bei ihr handelt es sich um einen bedeutenden archäologischen Fund; diese Dinge gehören der Allgemeinheit, sprich z. B. dem Bundesland, in dem sie gefunden werden. Es gibt eine Meldepflicht für Funde nach § 20 Denkmalschutzgesetz, wenn davon auszugehen ist, dass für die Erhaltung der Funde aus wissenschaftlichen, künstelerischen oder heimatgeschichtlichen Gründen ein öffentliches Interesse besteht.

Die Himmelsscheibe und ihre Daten
Die Scheibe besteht aus Kupfer und Zinn (also Bronze), sie ist ungefährt 2 Kilogramm schwer und hat einen Durchmesser von 32 cm. Die Wissenschaftler konnten eindeutig nachweisen, dass sie 1600 v. Chr. im Boden vergraben wurde. Allerdings ist die Scheibe älter. Man geht davon aus, dass sie zwischen 2100 und 1700 v. Chr. angefertigt wurde.

Überarbeitung der Himmelsscheibe

Man stellte fest, dass die Himmelsscheibe mehrfach modifiziert wurde, und zwar dreimal, was für Funde dieses Alters eher ungewöhnlich ist. Die Goldplättchen auf der Scheibe wurde umgruppiert, die Horizontbogen wurden später hinzugefügt und bei einer weiteren Modifikation wurde die sog. Sonnenbarke eingesetzt und ein weiteres Mal wurden am Rand Löcher gestanzt und möglicherweise ein Horizontbogen wieder entfernt.

Was zeigt die uns die Himmelsscheibe von Nebra?

Die Goldplättchen auf der Barke stellen die Plejaden dar, einen Sternenhaufen der mit bloßem Auge erkannt werden kann bei günstigen Bedingungen, darin sind sich die Wissenschaftler einig.

Es handelt sich aber nicht einfach um ein Abbild dieses Sternenhaufens, sondern um eine genaue Darstellung ihres Untergangs am 10. März und 17. Oktober im Jahre 1600 v. Chr. (gregorianischer Kalender). Allerdings gibt es ein paar Unstimmigkeiten in dieser These, wenn das so wäre, gäbe es eine Diskrepanz zur Darstellung des Mondes, der ebenfalls auf der Scheibe abgebildet wird. Unstrittig sind aber die Plejaden.

Die Scheibe zeigt weiter, wie schon genannt, den Vollmond, rechts daneben die Sichel des zunehmenden Mondes. Am unteren Rand ist etwas zu sehen, dass allgemein in Anlehnung an die ägyptische Mythologie Sonnenbarke genannt wird und jeweils rechts und links am Rand einen Horizontbogen, wovon heute eine fehlt (sh. Überarbeitung der Himmelsscheibe).

Wozu brauchte man eine solche Himmelsscheibe?

In der frühen Menschheitsgeschichte war den Menschen schon bewusst, dass sie vom Wetter abhängig sind, wenn sie ihre Ernährung sicherstellen wollen. Es galt einmal eine geeignete Fläche für den Anbau von Getreide zu finden, aber natürlich dann, noch wichtiger, den richtigen Zeitpunkt zu bestimmen, um zu säen. Ihnen wurde klar, dass die Gestirne am Himmel ihren Jahresablauf und somit die Ernte beeinflussen und dass ihnen eine genaue Kenntnis über den Verlauf der Gestirne fehlt. Man begann also in frühen Zeitaltern damit, Aufzeichnungen über Sonne, Mond und auch Sterne zu machen, weil man festgestellt hatte, dass sich dieser Lauf irgendwie immer zu wiederholen schien. Man brauchte die Scheibe also, um das bäuerliche Jahr zu bestimmen; den Zeitpunkt, um die Äcker vorzubereiten und den Zeitpunkt, die Ernte dann einzubringen.

Es gibt eine andere Theorie, wonach die Scheibe auch zur Ermittlung der Schaltjahre gedient haben könnte, also um den Gleichklang herzustellen zwischen Mondjahr (354 Tage) und Sonnenjahr (365 Tage). Wenn dieses so wäre, dann käme die weltweit älteste erhaltene Aufzeichnung in der Menschheitsgeschichte über das Schaltjahr nicht aus Babylon, sondern aus Deutschland.

Wie wurde die Himmelsscheibe benutzt?
Derartige Artefakte wurden ausgerichtet an einen bestimmten Referenzpunkt. Im Falle der Himmelsscheibe von Nebra kann man diese zum Brocken justieren, ausgehend vom Mittelberg in Nebra, dem Fundort der Scheibe. Anhand dieser Justierung ist die Sommersonnenwende (jährlicher Höchststand der Sonne), Herbst- und Frühlingsanfang und auch die Wintersonnenwende (jährlicher Tiefststand der Sonne) ablesbar. Die Sommersonnenwende markiert in sehr vielen Ländern den Beginn der Jahreszeit Sommer. Da ab der Wintersonnenwende die Tage wieder spürbar länger werden, markierte dieses Datum für die menschliche Frühgeschichte einen überaus wichtigen Tag. Man hatte die strengen Winter überstanden, einen bösen Widersacher, der oft auch Tod, Krankheit und Trostlosigkeit brachte. In vielen Kulturen wird dieser Zeitpunkt seit Tausenden von Jahren als Fest begangen. Unser Weihnachtsfest findet kurz nach der Wintersonnenwende statt.

Die Bedeutung der Himmelsscheibe in der Historie

Uns sind aus vielen Kulturen Aufzeichnungen der unterschiedlichsten Art erhalten geblieben, die sich mit Kalendarien im weitesten Sinne beschäftigen oder mit Himmelsdarstellungen.

Bei den Venus-Tafeln handelt es sich um Texte in Keilschrift, also um das älteste uns bekannte Schriftdokument über Planetenbeobachtung. Dieses Schriftdokument ist allerdings in Tafeln geritzt, wie sie seinerzeit in babylonisch-assyrischen Kulturkreis im Einsatz waren.. Diese Tafeln stammen aus Ninive (Stadt am Tigris im heutigen Irak) und beschäftigen sich schwerpunktmäßig mit der mesopotamischen Göttin Ninsianna, die eine weibliche Fruchtbarkeitsgöttin war. Hauptsächlich wurde hier die Venus beobachtet.

Die Himmelsscheibe von Nebra nun ist ein Kultgegenstand, ein Instrument und darf mit Recht als die älteste konkrete Himmelsdarstellung bezeichnet werden, die die Menschheit besitzt. Das konkret bezieht sich auf die Darstellung des Sternenhaufens Plejaden und die Konstellation an einem ganz bestimmten Tag. Nun mag man sagen, Stonehenge sei älter, das stimmt zwar, aber Stonehenge ist keine Himmelsdarstellung.

Im geschichtlichen Kontext handelt es sich bei der Himmelsscheibe um den wohl wichtigsten Fund aus der Bronzezeit. Mit der Interpretation und Entschlüsselung ihrer Bedeutung wird die kulturelle Entwicklung vor allem auch in Deutschland auf eine neue Stufe gehoben. Bis zu ihrem Fund galt es nicht als gesichert, dass die Menschen in diesem Zeitalter und die Stämme im heutigen Gebiet von Sachsen-Anhalt über derartig detaillierte astronomische Kenntnisse verfügten und auch Aufzeichnungen auf diesem Niveau machten.


Die Himmelsscheibe kommt nach Kalkriese und trifft auf die Varusschlacht
In eine Wanderausstellung kommt die Himmelsscheibe nach Kalkriese ins Osnabrücker Land und wird im Museumspark Kalkriese zu sehen sein. Beginn der Ausstellung ist der 20. November 2010.


©Manuela Kohl / Foto: Wikipedia

Kommentare

Profil
01.09.10, 21:22 Uhr

Nicht alle Menschen, die in ihrer Freizeit nach Artefakten und Relikten vergangener Epochen suchen, sind Raubgräber. Es gibt eine Vielzahl von Sondengängern, die im Auftrag und unterstützend für die Archäologie tätig sind (auch in der Stadt und im Landkreis Osnabrück) - zudem darf nicht vergessen werden, dass zahlreiche Funde, auch im Hinblick auf die miserable Personalsituation der ärchäologischen Dienste, durch aufmerksame Sondengänger bekannt und der Wissenschaft zugänglich gemacht wurden.
Diejenigen Sondengänger, die ihre gemachten Funde kommerziell verwerten, sind Raubgräber - und die müssen natürlich bestraft werden, da diese der Wissenschaft einen ungeheuren Schaden zufügen, denn es muss die Möglichkeit bestehen unser historisches Erbe zu erforschen und zu bewahren!


Ohne die Geschichte bleibt man ein unerfahrenes Kind!

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    Abgemeldeter Nutzer
    01.09.10, 23:00 Uhr

    Danke, Horst, für deinen Kommentar.

    Niemand hat gesagt, dass alle Sondengänger auch gleichzeitig Raubgräber sind. Der Ort der Varusschlacht in Kalkriese beispielsweise wurde zwar auch von einem Privatmann (einem Angehörigen der Britischen Armee) gefunden. Bei ihm handelte es sich ja auch nicht um einen Raubgräber.

    Im Falle der Himmelsscheibe handelte es sich aber tatsächlich um Raubgräber, denn die Landesregierung in Sachsen Anhalt war gezwungen, die Scheibe von einem Hehler für ca. 700000 Euro zu kaufen, um sie als Kulturgut zu sichern.

    Es ist allerdings zu beobachten, dass es im Laufe der letzten Jahre immer mehr Menschen gibt, die sich als Sondengänger betätigen und aufgrund von geschichtlichen Aufzeichungen und Vermutungen Relikte und Artefakte finden wollen. Solange ihre Motive nicht materieller Art sind, liefern sie mit ihrem Hobby bei tatsächlichen Funden einen wertvollen Beitrag zur Wissenschaft.

    Wenn sie aber die Absicht haben, materiellen Gewinn aus ihren Funden zu schlagen, werden sie für ihre Funde auch immer Abnehmer finden und diese Kulturgüter sind für die Öffentlichkeit für immer verloren. Was in früheren Zeiten für Gemälde galt, von denen viele in klimatisierten Privatmuseen hängen und die heute als verschollen gelten müssen, gilt auch für Artefakte.

    Und solange gewisse Privatsender zur besten Sendezeit Features über Raubgräber zeigen, fürchte ich, dass solche Beiträge nicht gerade zum Denkmalschutz und einem entspr. Bewusstsein dafür aufrufen.

    Die Arbeit der seriösen Sondengänger und ihr Beitrag für die Wissenschaft ist unbestritten.

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