Aus der Region > Osnabrück
In jedem von uns steckt ein Tänzer
"Magic of the dance"- Bryan Berry fegt über die Bühne. Zu sehen am 27. 12. 2011 in der Osnabrückhalle
(12.12.2011) ON-Interview mit Bryan Berry - Tänzer in der Show "Magic of the Dance"
ON: Bryan Berry – wie oft wird der Name mit Bryan Ferry verwechselt?
Bryan Berry: Das ist tatsächlich noch nie vorgekommen – zum Glück. Denn Bryan Ferry interessiert mich nicht besonders. Ich glaube, er tanzt auch nicht so gut.
Aber dafür Michelle Lawrence, die die weibliche Hauptrolle in „Magic of the Dance“ tanzt. Michelle sagte mal, sie fing schon mit Stepptanz an, als sie noch gar nicht laufen konnte. Wie war es bei Ihnen?
Ich habe erst mit 11 Jahren losgelegt. Ich hatte vorher nie etwas mit Stepptanzen im Sinn, bis ich den Film „Tap Dance “ sah. Von da an war ich voll motiviert.
Und wann sind Sie bei „Magic of the Dance“ eingestiegen?
Das war 2001, also vor 10 Jahren. Es macht mir immer noch einen Riesenspaß. Die Show ändert sich ständig, sie wird von Jahr zu Jahr besser. Wenn es immer wieder dasselbe wäre, würde es mich langweilen, und ich wäre schon längst nicht mehr dabei.
Es gibt viele Tanzshows. Warum ist gerade „Magic of the Dance“ seit so langer Zeit so erfolgreich?
Das hat viele Gründe. Wir haben viele Einlagen, die man in anderen Shows nicht sieht, zum Beispiel kann das Publikum an einer Stelle mitmachen.
Und Michelle Lawrence meinte, weil es die Show ist, in der am schnellsten getanzt wird – bis die Funken sprühen.
Das ist auch so. Nirgendwo wird schneller getanzt als bei uns. Einige Passagen sind unglaublich schnell. Schneller zu sein, heißt aber nicht unbedingt besser zu sein als andere. Aber es ist doch schön zu wissen, dass man schneller sein kann als die anderen, wenn man es will. Und für das Publikum ist es schön, das auf der Bühne zu sehen.
Sie sind derjenige, der in der Show 3 Leute auf die Bühne holt, um mit Ihnen zu tanzen. Werden Sie das auch in Osnabrück wieder machen?
Ja, auf jeden Fall. Aber auch dieser Teil des Programms wird anders sein als beim letzten Mal. Ich hole jedes Mal 3 Leute auf die Bühne, und ich weiß nie, was dann passiert. Wir improvisieren, das macht Spaß.
Könnten Sie mich als Nicht-Tänzer bei der Aktion bitte außen vor lassen?
Dann müssten Sie mir vor der Show sagen, wo Sie sitzen. Aber – ach kommen Sie, in jedem von uns steckt ein kleiner Tänzer.
Sie haben getanzt und gearbeitet in Städten wie New York, Los Angeles und Las Vegas. Haben Sie keine Angst, einen Kulturschock zu bekommen, wenn sie jetzt in Städten in der norddeutschen Tiefebene auftreten?
Nein, auf keinen Fall. Als ich das erste Mal in Deutschland auftrat, fand ich es tatsächlich schwierig für mich. Damals lebte ich auch noch in den USA. Aus der erstenTour in Deutschland bin ich sogar vorzeitig ausgestiegen. Das hatte aber nichts mit dem Land zu tun. Kurze Zeit später bin ich aber gerne wieder zurückgekommen. Seit 4 Jahren lebe ich in Berlin. Ich bin auch ein großer Jazzfan und ich liebe die Jazzszene in Berlin.
Stepptanz ist Hochleistungssport. Haben Sie überhaupt noch Lust auf andere Sportarten?
Nein, denn ich tanze bei jeder Gelegenheit, die sich mir bietet. Tanzen ist mein Leben. Und Musik hören, die mich beim Tanzen weiterbringt. Ich tanze den ganzen Tag – ob ich auf Tournee bin oder nicht.
Sie müssen also auch keinen anderen Sport machen, um fit fürs Tanzen zu bleiben?
Ich spiele gerne mal Golf und ich bin ein großer Fan von American Football. Ich schätze andere Sportarten und ich genieße es, mich sportlich zu betätigen. Aber fürs Tanzen brauche ich es nicht. Tanzen alleine hält mich fit.
Sie arbeiten auch als Tanzlehrer. Wie gehen Sie mit Schülern um, die nicht tanzen können, aber sich für die Größten halten?
Zu meinem großen Glück habe ich noch nicht mit solchen Leuten zu tun gehabt. Es sind alles Anfänger, die ich unterrichte. Ich denke an die Zeit, als ich selbst ein Tanz-Anfänger war, und ich behandle die Anfänger so gut, wie ich damals behandelt worden bin. Jeder fängt irgendwann mal mit irgendwas an. Ich habe viel Geduld mit meinen Tanzschülern. Ich sehe die Fortschritte, die sie machen und erfreue mich daran. Wenn man gute Leistungen bringen will, muss man investieren. Wer nicht investiert, hat schon verloren.
Sie haben einen Zwillingsbruder, der auch Tänzer ist.
Ja, mein Bruder Brad. Auch er hat in „Magic of the Dance“ getanzt vor ein paar Jahren. Er tritt zurzeit in einer Show in Myrtle Beach in South Carolina auf.
Wenn Sie mal keine Lust zum Tanzen haben, könnte er als Zwillingsbruder für Sie einspringen. Das würde keinem auffallen.
Gute Idee, aber das wird nie passieren. Ich bin immer in der Stimmung zum Tanzen.
Wo steht in Ihrer Wohnung der Schrank mit den vielen
Pokalen? Sie sind 6-facher Tap-Dance-Champion in den USA.[/b]
Ach ja, es ist ganz schön, diese Pokale gewonnen zu haben, aber das ist nicht der Grund dafür, dass ich tanze. Ich nehme jetzt auch nicht mehr an Wettbewerben teil. Ich weiß, dass die Wettbewerbe hoch angesehen in der Tanzszene sind. Und wer dort erfolgreich ist, der hat es leichter, einen Job in einer Show zu bekommen. Die meisten Tänzer, die an den Wettbewerben teilnehmen, hoffen auf einen Job in einer Tanzshow. Die Pokale stehen übrigens bei meinen Großeltern auf dem Dachboden.
Nur mal theoretisch, er ist ja schon im Tanz-Himmel: Würden Sie gerne mal mit dem großen Fred Astaire tanzen, wenn Sie die Möglichkeit hätten?
Ja, das würde ich auf jeden Fall gerne. Aber ich muss Ihnen sagen, er wäre nicht meine erste Wahl. Meine erste Wahl lebt nämlich noch. Es ist Bunny Briggs, er ist jetzt 86. Bunny Briggs war der Tanzlehrer meines Tanzlehrers. Er war einer der großen Meister des Stepptanzes, er trat oft in großen Shows auf und tanzte zur Live-Musik der großen Orchester wie Duke Ellington und Count Basie.
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