Osnabrück
 

ON-Scheibenschießen: Rush vs. Cash

(08.03.2010)  Wieder eine neue Folge der Serie "Scheibenschießen" aus den Osnabrücker Nachrichten. Diesmal haben die ON-Redakteure Thomas Achenbach und Werner Hülsmann neue Alben von Jennifer Rush und Johnny Cash in einen Vergleich gestellt. Welcher Scheibe gehen Sie den Vorzug? Stimmen Sie ab und reden Sie mit.

Jennifer Rush: Now Is The Hour

Jennifer Rush: Now Is The Hour

Von Thomas Achenbach, Osnabrücker Nachrichten
„Hier“, sagt der spitzzüngige Kollege von nebenan, als er einem die neue Jennifer-Rush-CD auf den Schreibtisch legt: „Prima Musik, um die beim Bügeln aufzulegen.“ Böse! Ob er recht hat? Sehen wir mal... Zunächst alles Wichtige:

1. Ja, Jennifer Rush, das war die mit der großen Stimme in den 80ern und mit „Power Of Love“, auch gecovert von Celine Dion.

2. Ja, von Jennifer Rush hat man seit 1999 nichts mehr gehört. Und jetzt ist ihr neues Album da. Das Cover macht erstmal den Eindruck, als handele es sich eher um die Einladung zu einer Post-Botox-Prosecco-Party. Hmmm. Was da wohl drinsteckt?

CD eingelegt, angehört. Erster Eindruck: Ja, die Stimme hat noch immer Charisma. Netter, großer Ethno-Mischmasch-Pop mit Anklängen an alle, die mal groß waren. Im ersten und im vierten Song Plinker-Plonker-Töne auf Stampfbumm-Discofox-Beat. Ganz klar: Da wird auf den großen Einsatz in Radio und Tanzschulen geschielt, da werden Ohrwurm-Melodien beschworen. Im zweiten Song Salsa-Gloria-Estefan-Reminissenz. „Windows“ ist die große Ballade, „I‘m not dreaming anymore“ könnte auch von einem Celine-Dion-Album stammen (wie manches andere auch).

CD nochmal angehört. Zweiter Eindruck: Genauso. Netter und magenfreundlicher Plätscher-Pop. Kann man gut haben. Muss es ja auch mal geben. Umwerfend ist das aber nicht.

Aber das könnte daran liegen, dass dieser Rezensent eben nicht selber bügelt. Das macht die Reinigung. Und da läuft immer NDR 1.

5 von 10 Punkten - (Sony Music, im Handel)

Johnny Cash: American VI Ain’t No Grave

Johnny Cash: American VI Ain’t No Grave

Von Werner Hülsmann, Osnabrücker Nachrichten
Unantastbar? Posthum endgültig ein Heiligtum? Wer den „Man In Black” höchstens durch Titel wie „Ring Of Fire”, „Walk The Line“ oder legendäre Konzertplatten („At San Quentin”) wahrnahm, staunt über das Spätwerk. Rubin sei Dank!

Die amerikanische Country- und Folk-legende wäre am 26. Februar 78 Jahre alt geworden, an diesem Freitag erschien der letzte Teil von Cashs gefeierter „American Recordings”-Reihe, die 1994 ihren Anfang nahm. Produziert wurde auch die letzten zehn Songs von Rick Rubin. Während der Aufnahmen hatte Cash im Mai 2003 seine große Liebe, June Carter Cash, verloren.

Goodbye Johnny! Wer diese knapp 33 Minuten hört, wird den Verdacht reiner Geschäftemacherei beiseite schieben. Die „letzen Worte“ berühren, sie sind Dokument seines unerschütterlichen Glaubens. Seine verbliebene Lebenskraft stemmt Cash in diese Songs – man spürt es förmlich. Mit brüchigem Organ singt Cash, setzt Hoffnung gegen Melancholie. Er beschwört im Angesicht des eigenen Todes die Erlösung ( „Redemption Day”) und dem Traum von einer friedlicheren Welt. Kein Grabstein kann seinem Körper unten halten ...

„I Corinthians 15:55” ist eine bisher unveröffentlichte Eigenkomposition, verpackt in einer luftigen sakralen Wolke. Ganz am Ende ein „Aloha Oe“ – Cash geht ... Aber er bleibt unter uns.

Die glasklare Produktion hat was von „Heilfasten”. Wem könnte man diese berührende CD schenken? Vielleicht am besten sich selbst. Das Sterben, der Tod, das Leben – das hat Tiefe und Würde. Es gibt wohl kaum eine „profane“ Platte, die besser in die vorösterliche Zeit passt.

8 von 10 Punkten - (Universal, im Handel )

Ihre Meinung



  • 14,3% Jennifer Rush: Now Is The Hour
  • 85,7% Johnny Cash: American VI Ain’t No Grave

Abstimmung läuft bis 15.03.10, 10:45 Uhr

Kommentare

 
Abgemeldeter Nutzer
10.03.10, 02:25 Uhr

Mein Favorit: Johnny Cash


Der Kommentar wurde 3 mal überarbeitet. Zuletzt 10.03.10, 02:26 Uhr.

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